Mobil.Stadt.Jena
Mobilitätsangebote neu denken
Schlüsselvorhaben 6 – Allianz Fernbahn
Handlungsansatz
Die Stadt Jena ist seit dem Jahr 2018 nicht mehr Haltepunkt im bundesweiten ICE-Netz. Bislang zählte die Fernbahnanbindung zu den wichtigen Standortfaktoren der Stadt. Die Direktanbindung an Städte wie Leipzig, Berlin und München wird in Verbindung mit der zentralen innerstädtischen Lage des Haltepunktes Jena Paradies zu einer der Vergangenheit angehörenden attraktiven und komfortablen Verkehrsverbindung für Geschäftspartner, Wissenschaftler und Studierende.
Um auch zukünftig eine leistungsfähige und hochwertige Fernverkehrsanbindung zu gewährleisten, haben sich in Jena über 100 Mitglieder aus Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen, Interessenverbänden und Vertretern aus Verwaltung und Politik zum Bündnis Fernverkehr für Jena zusammengeschlossen. Vorrangiges Ziel ist es, weiterhin mit Lobbyarbeit auf allen Ebenen auf die große Bedeutung des Fernbahnanschlusses in Jena hinzuweisen. Die Stadt Jena ist in Ost-West- und Nord-Südrichtung aktuell von Fernverkehrsverbindungen erschlossen, die unterhalb der ursprünglichen Ziele des sogenannten Deutschlandtakts bleiben (D-Takt = 2-Stunden-Takt).
Ziele
- Erhalt einer leistungsfähigen und komfortablen Bahnanbindung
Umsetzungsstand
- 2021 erfolgte wirtschaftliche Untersuchung der vorliegenden Planungen durch den Bund
- seit Anfang 2021 liegt ein drittes Konzept zu den Fernanbindungen vor
- im Herbst 2021 hat die Stadt Jena eine eigene Studie erarbeiten lassen, welche Anfang 2022 an das Land übergeben wurde
Koordinator
Michael Margull, Dezernat 3, Fachdienst Mobilität
Schlüsselvorhaben 7 – Jena digital mobil
Handlungsansatz
Die Digitalisierung beeinflusst nicht nur Kommunikationsformen und -möglichkeiten, sondern bietet vielfältige Handlungsansätze zur optimierten Vernetzung verschiedener Verkehrsträger, zur intelligenten Steuerung des fließenden Verkehrs und zur raumsparenden Organisation des Parkverkehrs. Die folgenden Handlungsansätze sind zu verfolgen:
- Schaffung einer »Mobility Card«, die alle Verkehrsträger des öffentlichen und gemeinschaftlichen individuellen Verkehrs (Carsharing, Leihräder) auf Basis eines Kartensystems oder dem Smartphone verknüpft.
- Der Einsatz einer intelligenten Verkehrslenkung und -steuerung kann dazu beitragen, den Verkehrsfluss im Hauptverkehrsstraßennetz stadtverträglich abzuwickeln. In Jena gibt es insgesamt 84 Lichtsignalanlagen, von denen 33 den Nahverkehr bevorrechtigen. Die Steuerung der Lichtsignalanlagen an den Kreuzungen erfolgt überwiegend verkehrsabhängig, also je nach aktueller Verkehrslage. Hier ist zu prüfen, inwiefern eine Nachjustierung der Ampelsteuerung zu einem gleichmäßigen fließenden Verkehr beitragen kann, ohne dabei die Bevorrechtigung des ÖPNV aufzugeben.
- Ein digitales Parkleitsystem bietet sich für die Kernstadt Jena an und ist im Weiteren im regionalen Zusammenhang zu betrachten, um die Kfz-Verkehre schon am Stadtrand und an den regionalen Verknüpfungspunkten zum ÖPNV umzulenken.
- Die digitalen Möglichkeiten sind auch in Bezug auf die Bezahlsysteme beim Parken zu nutzen. Die Bezahlung am Parkscheinautomat kann dann nicht nur mit Münzen, sondern auch bargeldlos per Mobiltelefon erfolgen. Fahrscheine im Nahverkehr können im Verkehrsverbund bereits per App erworben werden.
Ziele
- Nutzung der digitalen Möglichkeiten zur Verknüpfung der Verkehrsträger und Optimierung der Verkehrssysteme
Umsetzungsstand
2018-2022 Umweltorientiertes Verkehrsmanagement
- Vermeidung emissionsintensiver Fahrzustände durch verbesserte Verkehrsflusssteuerung
- Ausweitung Sensorik, Verkehrslagemodell und Verkehrsmanagementsystem, floating car Daten, Parkleitsystem, open data portal, MeinJena App, etc.
2020-2024 Modellprojekt 5G-Verkehrsvernetzung
- Modellprojekt zur Steigerung der Verkehrssicherheit sowie zur Optimierung des multimodalen Verkehrs und der Energieversorgung
- Umsetzungsförderung durch Bundesministerium für Verkehr & digitale Infrastruktur
- Berücksichtigung aller Verkehrsteilnehmer (ÖPNV, MIV, Rad, E-Roller, FG)
Koordinator
Matthias Weitsch, Kommunalservice Jena
Weitere Informationen
Schlüsselvorhaben 8 – Multimodale Mobilität
Handlungsansatz
Die Zukunft der Mobilität liegt in der Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsarten, so dass je nach Alltags- und Lebenslage das passende Verkehrsmittel gewählt werden kann. Dazu bedarf es jedoch der vielfältigen Optionen im Stadtraum, um von einem auf ein anderes Verkehrsmittel umzusteigen. Zunächst bedarf es in diesem Themenfeld einer zukunftsweisenden konzeptionellen Betrachtung der vorhandenen und weiteren Mobilitätsoptionen einschließlich deren Verknüpfungen.
Ein Mobilitätskonzept für Jena ist vor dem Hintergrund der sich ausdifferenzierenden Verkehrsarten sowie der digitalen Möglichkeiten weiter zu verfolgen. Dabei ist die Stadtpolitik intensiv einzubinden. Der Meinungsbildungsprozess kann durch erlebnisorientierte Beteiligungsformate (z. B. Mobilitätsmessen, Vorträge und Erfahrungen aus anderen Städten, Straßenfeste, Stadtradeln mit dem Oberbürgermeister/Dezernenten), aber auch durch verschiedene Pilotprojekte (z. B. Elektrobusse, Kurierfahrten mit Lastenrädern, Anschaffung weiterer stadteigener Elektrobikes) unterstützt werden.
Die Erarbeitung eines zukunftsorientierten Mobilitätskonzeptes sollte unter Einbindung der städtischen Akteure folgende Schwerpunkte umfassen:
- Erstellung einer lokalen und regionalen Parkraumstrategie; Fortschreibung Parkraumkonzept
- Verbesserung der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in Verbindung mit der regionalen P+R-Strategie
- Aufwertung der Haltepunkte Jena-West und Jena-Göschwitz als Mobilitätsverknüpfungspunkte (Straßenbahn, Fernbus, Stadt- und Regionalbus, Rad, Fuß), Aufwertung des Umfelds der Bahnhöfe sowie bessere stadträumliche Integration
- Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektromobile Fahrzeuge in Verknüpfung mit geeigneten Standorten (u. a. Carsharing-Stationen, ÖPNV-Haltepunkten, Einkaufsläden, Arbeitsplatzstandorten)
- Entwicklung zukunftsfähiger Handlungsansätze für die durch Online-Handel und digitale Dienste stetig zunehmenden Lieferverkehre und Kurierdienste innerhalb der Stadt
- Herstellung von Fahrradabstellanlagen insbesondere an Haltestellen und Zielen der Stadt, aber auch im Umfeld von Wohngebäuden
- besondere Berücksichtigung des Fußgängerverkehrs im Rahmen der Umgestaltung bestehender und bei der Erschließung neuer Stadträume
Ziele
- Stärkung und Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund
- Reduzierung der verkehrsbedingten Belastungen im Stadtgebiet
(Lärm, Luft, Sicherheit, Versiegelung und Flächenverbrauch)
Umsetzungsstand
- Beschluss der Leitlinien Mobilität (2018)
- ÖPNV-Konzeption Jena 2030+ (2020)
- Fortschreibung Nahverkehrskonzept (2021) sowie Parkraumkonzept (2021)
- Etablierung E-Scooter-Verleihsystem
- Umsetzung diverser Radwegeprojekte (z. B. Jena21, Saaleweg „In den Jenaischen Weiden“, Saaleweg „Maua-Göschwitz“ 1. BA)
- aufgrund Bürgerbegehren Radentscheid wurde Stadtratsbeschluss Nr. 21/1044-BV zum verstärkten Einsatz von Finanzen für den Ausbau der Radinfrastruktur gefasst
- Radverkehrsplan Jena 2035+ (2024)
- Rahmenplan Westbahnhof (Beschluss 25/0270-BV vom 29.04.2025)
Koordinator
Michael Margull, Dezernat 3, Fachdienst Mobilität