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Veranstaltungsübersicht Tag des Offenen Denkmals

Veranstaltungsplanung Tage des offenen Denkmals 12./13.09.2026 – "NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur“ 

Ein elektrisierender Tag – Zeugnisse aus 125 Jahren elektrischer Stromversorgung

Eröffnung Tag des offenen Denkmals

Nach einigen Jahren Pause können wir 2026 endlich wieder zu einer kleinen Eröffnungsveranstaltung am Vorabend des Denkmaltages einladen. Motiviert hat uns das Thema „NetzWerke“. Auch in Jena bilden Eigentümer*innen, Architekt*innen, Vereine, Initiativen, Handwerker*innen, Restaurator*innen und die beruflichen Denkmalpfleger*innen in den Behörden ein Netzwerk, ohne dass unser kulturelles Erbe nicht zu bewahren wäre. Viel zu selten machen wir uns seine weite Ausdehnung und gleichzeitige Engmaschigkeit bewusst. Viel zu selten bedenken wir somit auch sein Potential und seine Wirkkraft. Wir sind daher als Untere Denkmalschutzbehörde Jena der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) dankbar für den erneuten Stupser via Motto-Wahl. Den Menschen in diesem Netz, zu dem übrigens auch ein städtisches Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gehört, danken wir für Motivation und Unterstützung aller Art.

  • Ort: Löbstedter Straße 67
  • Eröffnung: 16:00 Uhr
    • Es sprechen: M. Sterzing, Imaginata e. V., F. Bürglen, Ortskuratorium DSD, E. Zimmermann, Untere Denkmalschutzbehörde Jena
    • Musikalische Umrahmung: Helga Assing (E-Piano) und Klaus Wegener (Saxophon)
    • Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung lädt der Verein zu einer Führung durch das technische Denkmal samt neuer Ausstellung ein.

Samstag, 12.09.2026

25 Jahre nachdem der erste elektrische Strom in Jena erzeugt wurde - vor 100 Jahren - ging nach nur 7 Monaten Bauzeit 1926 die nach Plänen des Weimarer Architekten Bruno Röhr errichtete 50 kV-Halle des Umspannwerkes Jena Nord ans Netz. Verbunden mit der Schaltanlage Burgau (ZEISS) konnte in Jena so ein stabiles 10 kV-Netz aufgebaut werden. Das Umspannwerk entwickelte sich in den 1930er Jahren zum Knotenpunkt der regionalen Stromversorgung. 1942 wurde es durch den Bau einer 110 kV-Halle ergänzt und schließlich auf 110 kV-Einspeisung umgestellt. Seit 1993 wird es als Kulturdenkmal im Denkmalbuch des Freistaates Thüringen geführt und ist seit 1997 Domizil der Imaginata. Mit ihrem naturwissenschaftlichen Stationenpark lädt die Imaginata seitdem zum selbstständigen Ausprobieren und Entdecken ein, nutzt das Technische Denkmal als Kultur- und Bildungseinrichtung. 

Den 100. Geburtstag nahm der Verein zum Anlass, sich stärker auch dem Industrie- und Baudenkmal an sich zu widmen und dessen Geschichte(n) und Besonderheiten den Besucher*innen besser zu vermitteln. Im Rahmen der bundesweiten von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geförderten Schulaktion “denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule”, entstanden in der Vergangenheit bereits einige Dokumentationen, so z.B. über das Sichtmauerwerk der Fassade des Hauptgebäudes. Unter anderem auf deren Basis wurde eine Ausstellung entwickelt, die Besuchenden das Umspannwerk in seiner Architektur, seiner Funktion und mit seiner Geschichte näherbringt und zum großen Jubiläum am 28. August eröffnet wurde.

Kann es einen besseren Ort geben, um einen Denkmaltag unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ zu eröffnen?

  • Ort: Löbstedter Straße 67

„Transformation unter Strom – Das ehemalige Elektrizitätswerk Jena-Nord im Wandel seiner Architektur und Nutzung seit 1901“ – unter diesem Motto lädt das 125 Jahre alte Maschinenhaus des ehemaligen Elektrizitätswerkes Jena alle Interessierten ein.

Ende des Jahres 1898 traf der Stadtrat der Stadt Jena eine wegweisende Entscheidung. Er plädierte für den Bau eines Elektrizitätswerkes und den Betrieb einer elektrischen Straßenbahn. Bereits am 14.01.1899 wurde der „Vertrag über die Errichtung einer elektrischen Zentrale und den Bau einer elektrischen Straßenbahn“ zwischen den Gemeindebehörden der Residenz- und Universitätsstadt Jena und der Berliner Bank zu Berlin unterzeichnet. Die Verbindung von Elektrizitätswerk und Straßenbahn in einem Unternehmen war sachlich begründet und logisch. Die funktionale und unternehmerische Verbindung führte auch zu einer baulichen Einheit. 

Der Bau des Elektrizitätswerkes und der ersten Wagenhalle auf dem Grundstück an der Dornburger Straße begann im Jahre 1900. Bauherr war die Berliner Bank zu Berlin Jenaer Elektrizitätswerke A. G. Die Planung lag in den Händen der Eisenbahnbau-Gesellschaft Becker & Co. GmbH, Bauabteilung Jena. Sowohl die Wagenhalle des Straßenbahndepots als auch die Hallen des Elektrizitätswerkes wurden in Ziegelmauerwerk in neogotischem Stil mit Staffel-Giebel errichtet. Die Fassaden wurden farblich durch den Wechsel von Backstein- und Putzoberfläche strukturiert. Im 20. Jh. wurde der Komplex mehrfach erweitert und umgebaut. Das Maschinenhaus ist Teil der ersten Bauphase und bildet auch dank erhaltener bauzeitlicher wandgebundener und v. a. technischer Ausstattung ein authentisches Zeugnis der Industrialisierung Jenas. Die Halle wurde bis in die 1990er Jahre genutzt und wird seit 2014 vom Kulturverein In's Netz e. V. unter dem Namen TRAFO erhalten und belebt.

  • Ort: Nollendorfer Straße 30
  • Geöffnet: 15:00 – 20:00 Uhr
    • 15:00 Uhr: open doors
    • 15:30 und 17:00 Uhr: Führung durch das Haus mit Zeitzeugen, die über die frühere Nutzung als Elektrizitätswerk sprechen
    • 19:00 Uhr: „Brennen ohne Auszubrennen. Wie gelingt die Umnutzung von Industriekulturorten im Spagat zwischen ehrenamtlichem Engagement und Freiraum für Kultur?“ Gespräch zur Zukunft des TRAFO

125 Jahre elektrischer Strom in Jena bedeuten auch 125 Jahre Straßenbahn. Am 01.04.1901 fuhr die erste Bahn von der Wagenhalle am Elektrizitätswerk in der Dornburger Straße zur früheren Ausflugsgaststätte Schubertsburg in der Kahlaischen Straße. Nach dieser landespolizeilichen Abnahme von Kraftwerk, Energieleitungen und Straßenbahn begann am 06.04. der reguläre Straßenbahnbetrieb auf der so genannten Strecke „Centrale“ vom E-Werk Dornburger Straße über den Holzmarkt zur Schubertsburg. 

Das rasante Wachstum der Stadt führte schnell zu einem Ausbau des Liniennetzes und erforderte entsprechend auch Erweiterungen der Depot- und Werkstattflächen. 1930 wurde die so genannte neue (zweite) Wagenhalle nach einem Entwurf von Heinrich Fricke über einem sich aus dem Verlauf des Unteren Philosophenweges (Th.-Mann-Straße) ergebenden trapezförmigen Grundriss westlich an die erste Wagenhalle angebaut. Die dreischiffige Halle in Eisenbetonkonstruktion mit mehrfach gekrümmtem Schalendach im ZEISS-DYWIDAG-System stellte eine sehr beachtete Meisterleistung des Ingenieurbaus dar und wurde auch entsprechend in der zeitgenössischen Fachliteratur gewürdigt. 1948 erfolgte die Erweiterung des Straßenbahndepots um eine nördliche Halle. Das Straßenbahndepot ist als ein bedeutendes Sachzeugnis der Jenaer Stadtgeschichte, der Verkehrsgeschichte, mithin auch Stadtentwicklung, aber auch der Industriearchitektur als Kulturdenkmal geschützt. Leider musste sich der Jenaer Nahverkehr von seinem historischen Depot trennen. Daher ist dieses zum Denkmaltag auch nicht zugänglich. Zugänglich sind aber die am Samstag fahrenden historischen Straßenbahnen – mobile Denkmale auf modernen Schienen.

  • Ort und Zeiten: Zwischen 13:00 und 20:30 Uhr: Linienverkehr mit den historischen Triebwagen 26 sowie Triebwagen 101 mit Beiwagen 155 und 207 zwischen Nordschule und Winzerla über das Stadtzentrum 
    • Fahrplan unter "Downloads"

Der Volkspark Oberaue – bestehend aus Paradies, Rasenmühleninsel, Oberaue – geht weitestgehend auf Entwürfe des Jenaer Gartenarchitekten G. Weichelt zurück, der jedoch vor allem Bestehendes reflektierte und integrierte. Seine 1957 realisierten Planungen nahmen vorhandene Strukturen wie die alten Alleen, Teich und Uferweg, aber auch Kleinarchitektur aus den 1930er Jahren wie das Paradiescafé auf. Der Glaspavillon wurde im Zuge einer notwendig gewordenen Neugestaltung des Parks 1974-1978 als Mehrzweckgebäude von Friedhelm Schubring in das Ensemble eingefügt. Seine Architektur reflektiert einerseits den besonderen Raum der Saaleaue, andererseits die Tradition der klassischen Moderne, insbesondere Ideen und Gestaltungselemente von Mies van der Rohe und vor allem Richard Neutra. Sie besticht durch Großzügigkeit, Offenheit und klar strukturierte Kompaktheit. Aktuell stellen gerade diese denkmalwertprägenden Charakteristika die Denkmalpflege vor neue Herausforderungen. Die immer stärkere Reduzierung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen führt leider in den wenigen verbliebenen Naturräumen zu – im wahrsten Sinne des Wortes – schmerzhaften Kollisionen. Aber Natur- und Denkmalschutz arbeiten seit Jahren vertrauensvoll zusammen. Es wird also eine denkmalverträgliche, artenschützende Lösung gefunden werden. Bis dahin wird die Scheibenbeklebung hingenommen.

  • Ort: Vor dem Neutor 5 a
  • Geöffnet: 17:00 – 19:00 Uhr
    • 17:00 Uhr: „Jena: Eine Ansichtssache. Zwei Leben in Postkarten“ – Gespräch über Architekturfotografie als Quelle und mehr mit G. Krieg (Künstler und Sohn des Fotografen Kurt Krieg) und M. Maleschka (Architekt, Journalist, Fotograf und Autor, ausgezeichnet mit dem Dt. Denkmalschutzpreis 2025), Moderation D. Weiland (Kunsthistorikerin)

Vom Memorial zum Lost Place - das Denkmal am Friedensberg. Ortsbegehung und Vortrag im Treff am Fichteplatz (TaF)

  • Ort: Fichteplatz
    • 14:00 Uhr Erkundung vor Ort mit Erläuterungen zur Anlage und (Um-)Nutzung des Denkmals auf dem Friedensberg, Treffpunkt am Eingangstor zum Innenbereich des Denkmals
    • 15:00 Uhr Barbara Krug (Gotha/Jena): Präsentation zum geschichtspolitischen Wandel des Denkmals in Geschichte und Gegenwart im Stadtteilcafé „Treff am Fichteplatz“ (TaF), Fichteplatz 9, 07745 Jena

 

Sonntag, 13.09.2026

Die Stadt - ein Netz

Musikalischer Stadtspaziergang: Pop-up-Konzerte mit dem Knabenchor der Jenaer Philharmonie und seinen Gästen an und in Bau- und Gartendenkmalen Jenas

Der Knabenchor der Jenaer Philharmonie feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat der Chor vielen Generationen junger Sänger nicht nur eine fundierte sängerische Ausbildung ermöglicht, sondern ihnen vor allem die Begeisterung am gemeinsamen Musizieren mitgegeben. Unzählige Auftritte in Jena und Thüringen, aber auch deutschlandweit und in anderen europäischen Ländern schenkten unvergessliche Augenblicke und Begegnungen mit anderen Musizierenden. Aktuell gehören dem Chor rund 60 Knaben und junge Männer an. Die künstlerische Leitung obliegt seit 25 Jahren Berit Walther. Unter ihrer Federführung wird den Sängern vom Schuleintrittsalter an neben Stimm- und Gehörbildung, dem Umgang mit Noten vor allem der Spaß am gemeinsamen Singen vermittelt. Das Repertoire des Knabenchores ist vielfältig: so wie deutsches und internationales Liedgut gepflegt werden, sind auch Motetten, Kantaten und chorsinfonische Werke sowie zeitgenössische Chormusik fester Bestandteil der Konzertprogramme. Jährlich ist der Chor in etwa 20 Aufführungen in Kirchen und Konzertsälen zu erleben.

Anlässlich seines Geburtstages begrüßt der Knabenchor just am Wochenende des Denkmaltages befreundete Knabenchöre aus Uetersen und Wuppertal sowie den Männerchor aus Göttingen und zahlreiche ehemalige Chorknaben (Chor der Ehemaligen). Ja, gemeinsames Musizieren verbindet: kreiert „Netze“. Aus dieser Überschneidung und weil zum kulturellen Erbe eben nicht nur das gebaute, sondern auch das immaterielle gehört, entstand die Idee des musikalischen Stadtspaziergangs zum Tag des offenen Denkmals. An/in verschiedenen Bau- und Gartendenkmalen geben der Knabenchor und seine Gäste kurze Pop-up-Konzerte.

  • Ort: so genanntes „Faulloch“ – Reste der ehemaligen Stadtbefestigung
    • Knabenchöre Jena, Uetersen und Wuppertal, Männerchor Göttingen und Chor der Ehemaligen
  • Ort: Hof des Collegium Jenense
    • Knabenchöre Jena, Uetersen und Wuppertal, Männerchor Göttingen und Chor der Ehemailgen
  • Ort: Griesbachscher Garten / Am Planetarium 7
    • Knabenchöre Jena und Uetersen, Männerchor Göttingen und Chor der Ehemaligen
  • Ort: Friedenskirche / Historischer Johannisfriedhof
    • Eröffnung des Gottesdienstes mit den Knabenchören Jena und Uetersen, dem Männerchor Göttingen und dem Chor der Ehemaligen
  • Ort: Schillers Garten / Schillergäßchen 2
    • Chor aus Männerstimmen des Philharmonischen Knabenchores und der Ehemaligen

Historische Altstadt

Wer sich die Zeit nimmt, kann auf dem Johannisfriedhof in das weit verzweigte, manchmal auch dichte, nicht immer durchsichtige Netzwerk der Jenaer Gesellschaft eintauchen. In ihrer ganz besonderen Atmosphäre bieten Friedhöfe eine kaum ermessliche Fülle an Wissen zu Kultur- und Gesellschaftsgeschichte. Sie zeigen familiäre oder berufliche Verbindungen ebenso wie plötzliche Risse. Sie spiegeln Wege in und aus Familien, der Stadt, dem Land und damit auch Kultur und Wissenstransfer. Um den Zugang zu diesem Wissen zu erleichtern, wurde vor einigen Jahren das Netzwerkprojekt „Wo sie ruhen“ realisiert. Die App Wo sie ruhen navigiert den Nutzer zu 25 ausgewählten Grabmalen von Persönlichkeiten und vor Ort können die Informationen als Audio‐Datei abgespielt werden. Der Johannisfriedhof, der zu den durch die Bundesregierung anerkannten 30 historisch bedeutsamen Friedhöfen gehört, ist Teil des Netzwerkprojektes.

Bei all dieser Vernetzung zeigt der Johannisfriedhof aber auch deutlich wie eigentlich vernetzend gedachte neue Infrastruktur, gewachsene Strukturen zerschneiden kann. Der heutige Johannisfriedhof ist eine Erweiterung des bereits 1307 erwähnten Begräbnisplatzes an der Kirche St. Johannis Baptist. Nach Erweiterungen gen Nord und West erlebte der Friedhof mit dem 1938 erfolgten Bau der Straße nach Weimar einen radikalen Einschnitt. Der südliche Friedhofsteil um die Kirche St. Johannis Baptist wurde abgetrennt. Ca. ¼ des Friedhofs wurde eingeebnet, teilweise erfolgten Umbettungen, verschiedene Grabmale wurden umgesetzt. Heute umfasst die parkähnlich gestaltete Anlage noch ca. 1,8 ha. Darauf befinden sich eine Vielzahl an Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten, darunter die von Friedrich und Johann Wilhelm Kreußler oder Carl Zeiß. Ihre Restaurierung förderte zum Teil die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Seit 2014 engagiert sich ein reger Förderverein für Erhalt und Pflege der wertvollen Anlage. Seit einigen Jahren restaurieren zudem Teilnehmende des International Summer Seminar for Young Academics Grabmale des Johannisfriedhofs. Besondere Herausforderungen wie die Sanierung der beiden Grabhäuser können aber nur durch eine breite Spendenbeteiligung gestemmt werden. Auch dafür wird am Denkmaltag sensibilisiert.

  • Ort: Philosophenweg 1
  • Geöffnet: 11:00 – 17:00 Uhr Johannismarkt
    • Rahmenprogramm mit Angeboten für Kinder und Familien, einer musikalischen Begleitung sowie Kaffee und Kuchen

    • 12:00 Uhr: Führung „Grabmäler für Erwachsene“ mit J. Patuschek, 

    • 13:00 Uhr: Führung „Schätze - eine Führung für Kinder“ mit K. Undisz, 

    • 15:00 Uhr: Führung „Carl Zeiß zum 210. Geburtstag - das Zeiß-Grab auf dem Johannisfriedhof“ 

    • 16:00 Uhr: Führung „Die Friedenskirche und ihre Glasfenster“ beide mit R. Schwabe

Kirchen waren und sind weit mehr als reine Gotteshäuser. Sie sind ein fester Bestandteil der sozialen, kulturellen und räumlichen Infrastruktur, im Fall der Friedenskirche / Garnisonkirche auch mal der militärischen und medizinischen. Als Jena 1672 Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Jena wurde, erbaute man ab 1686 auf Bestreben Johann-Georgs II. von Sachsen-Eisenach die Kirche auf dem Gelände des alten Johannisfriedhofs. Doch schon zur Einweihung gab es das Jenaer Herzogtum nicht mehr. Es war 1690 an die Linie Sachsen-Weimar-Eisenach gefallen. 1743 wurde die Kirche der Jenaer Garnisongemeinde zugewiesen und in Garnisonkirche umbenannt. 

Während der Schlacht von Jena-Auerstedt diente sie als Lazarett. Im Zuge der umfangreichen Sanierungen und Umbauten ab 1835 wurden auch die schon im ursprünglichen Entwurf vorgesehenen Emporen und der Kanzelaltar eingebaut. Für die 1945 zerstörten Chorraumfenster schuf der Jenaer Glaskünstler Fritz Körner 1947 neue Glasfenster. 1946 benannte die Gemeinde die Kirche in „Friedenskirche“ um. Nach grundhafter Sanierung bis 2010 stellte man 2013 im Innenraum einen Hausschwammbefall fest, der dank Spenden und Förderung bis 2016 behoben werden konnte. In der Kirche befinden sich 13 Epitaphien aus dem 17. und 18. Jh. sowie acht Portraits früherer Superintendenten.

  • Ort: Philosophenweg 1
  • Geöffnet: 11:00 – 17:00 Uhr
    • 11:00 Uhr: Eröffnung des Gottesdienstes mit den Knabenchören Jena und Uetersen, dem Männerchor Göttingen und dem Chor der Ehemaligen

    • 12:00 Uhr: „Bau und Pflege von Nisthilfen“ mit S. Schießl, NABU

    • 12:30 Uhr: „Die Mennewitzer Orgel - ein Denkmalkrimi“ mit H. Hempel, Geschichtskonferenz Schlöben e. V.

    • 13:30 Uhr: „Friedhöfe und Kirchen als Lebensraum für Fledermäuse“ mit Dr. D. Weiss

    • 14:00 Uhr: „Friedhofsgeschichte“ mit Dr. B. Happe

    • 14.30 Uhr: „Geschichte des Johannisfriedhofs“ mit Chr. Apfel, Förderverein Johannisfriedhof

    • 15:30 Uhr: „Friedhöfe im Wandel – eine stadtplanerische Perspektive. Kreative Ansätze in der Weiterentwicklung und dem Erhalt urbaner Friedhöfe“ mit V. Göpfert, Otto-Borst-Preisträgerin 2025

  • Gemeindemitglieder sind als kompetente Ansprechpartner*innen vor Ort
  • Verschiedene Vorträge in der Kirche, Dauer ca. 20 min

Am Osthang des Heinrichsberg – ehemals vor den Toren der Stadt gelegen – spannt sich einer der schönsten und gleichzeitig sensibelsten Stadträume Jenas. Hier bilden der Botanische Garten und der Griesbach‘sche Garten mit seinem Gartenhaus sowie das eingegliederte Planetarium ein kulturelles Ensemble von kaum zu überschätzendem Rang und eine grüne Oase in der verdichteten Stadt. 

Johann Jakob Griesbach wurde 1775 auf Betreiben von Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach an die Universität Jena als Professor für Theologie berufen. Er erwarb das an den Botanischen Garten angrenzende Grundstück und ließ 1782-1783 (d) - 1784-1785 auf einem Zwischenplateau zwischen oberen und unterem Philosophenweg das zweigeschossige Sommerhaus errichten. Die Villa zitiert mit ihren toskanischen Pilastern und Giebelfeldern, ihrer Symmetrie die klassizistische Formensprache. Der Bau des Sommerhauses war Teil der großen Umgestaltung des Geländes in einen Englischen Landschaftsgarten nach Griesbachs eigenen Vorgaben. Griesbach weilte 1769–1770 in England, kannte die dortigen Gärten, und er kannte auch den seit den 1760er Jahren im Entstehen befindlichen Garten zu Wörlitz. Zudem publizierte Hirschfeld seit 1775-1977 seine Theorie der Gartenkunst, in der er u. a. eine empfindsam-romantische Landschaftsgestaltung befürwortet. 

Der Griesbach’sche Garten war der erste englische Landschaftsgarten in Jena und ein frühes Beispiel dieses Gartenideals im thüringischen Raum. Er erfuhr v. a. im 20. Jh. große Flächenverluste und auch großer Verluste an Gestaltungs-/Ausstattungselementen. So wurde, nachdem der Garten in Besitz der Carl-Zeiss-Stiftung überging, im südöstlichen Bereich 1926 das Planetarium errichtet und schnitt damit den talartigen Gartenbereich mit dem alten Arboretum ab. 1927 stellte die Stiftung dem Verein Jenaer Studentenhilfe den Obstgarten des Griesbach’schen Parks für den Bau der Mensa zur Verfügung. 1999-2000 kappten schließlich die neugebauten Wohnhäuser den Landschaftsbezug des Gartens im Norden. Trotz allem haben sich Grundelemente des Landschaftsgartens bis heute ablesbar erhalten. Bermen in Nord-Süd-Richtung dienen noch immer der Zeichnung des begehbaren Landschaftsgemäldes wie auch sich schlängelnde, gegenläufige Wegeführungen, entsprechende Pflanzungen, Gehölzkulissen, Aussichtspunkte oder der Baumsaal.

  • Ort: Am Planetarium 7
    • 10:30 Uhr: Pop-up-Konzert der Knabenchöre Jena und Uetersen, des Männerchors Göttingen und des Chors der Ehemaligen anlässlich des 50. Geburtstags des Knabenchors der Jenaer Philharmonie

Die mittelalterliche Stadtbefestigung schützte die Bürgerschaft vor Angriffen von außen und grenzte zugleich den Rechtsbezirk der Stadt von der umliegenden Feldmark ab. Heute ist sie nur noch auf der Westseite des Altstadtbezirkes in ihren Dimensionen annähernd zu erschließen.

Vom Pulverturm als nordwestlichem Eckturm der Stadtbefestigung mit vorgelagertem Geschützrondell bietet sich ebenso wie vom benachbarten letzten erhaltenen Stadttor, dem Johannistor, eine schöne Aussicht über die Jenaer Altstadt - und auch in den Fürstengraben. Der Fürstengraben ist der letzte Grabenbereich der Stadtbefestigung, an dem sich die stadtgeschichtlichen Veränderungen von der mittelalterlichen Nutzung als Wehranlage über Promenade, Allee hin zur via triumphalis ablesen lassen. Entlang des schon früh genutzten Fahrweges wurde dem Graben folgend während der kurzen Zeit des Herzogtums Sachsen-Jena eine Allee mit Linden angelegt. Auch wenn von einer Lindenallee heute leider nicht mehr gesprochen werden kann, so sind die Grünanlage im Verlauf des Grabens und die straßenbegleitende Baum-/Lindenreihe denkmalwertprägende Elemente sowohl des denkmalgeschützten Ensembles als auch der Sachgesamtheit Stadtbefestigung. Und auch noch gut fürs Stadtklima!

  • Ort: Johannisstraße / Am Pulvertur
  • Geöffnet: 09:00 – 18:00 Uhr
    • Informationsmaterial liegt aus
    • 09:15 Uhr: Pop-up-Konzert der Knabenchöre Jena, Uetersen und Wuppertal, des Männerchors Göttingen und des Chors der Ehemaligen anlässlich des 50. Geburtstags des Knabenchors der Jenaer Philharmonie

Die Geschichte der Stadt Jena ist so eng mit der Universität verflochten, dass ein Denkmaltag ohne universitäre Einrichtungen undenkbar ist. 1548 bezog die Academia Jenesis die Gebäude des ehemaligen Dominikanerklosters im südwestlichen Stadtgebiet. Nach der kaiserlichen Privilegierung 1557/58 setzte ein umfangreicher Umbau des Klosters unter Leitung des Landesbaumeisters Nickel Gromann (um 1500-1566) ein. In mehreren Bauabschnitten entstand ein einzigartiges frühneuzeitliches Universitätsensemble mit Hörsälen sowie Unterkünften für die Studierenden in der angrenzenden Kollegienkirche, die zugleich weiterhin als Grablege diente. 

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude schwer beschädigt und die Kollegienkirche fast vollständig zerstört. Nach umfassenden Ausgrabungen ab 1947 wurden 1955-1957 die Gebäudeflügel entlang Kollegiengasse und Nonnenplan nach Plänen des Entwurfsbüros für Industriebau als Teilprojekt des Wiederaufbaus der Innenstadt errichtet. Dabei orientierte man sich bewusst am frühneuzeitlichen Grundriss des Universitätsensembles und schuf in qualitätsvoller Architektur und gleichzeitig schlichter Abgrenzung zum erhaltenen historischen Bestand einen würdigen neuen Abschluss des Kollegien-Hofes. Seit 2018 werden die bei Grabungen geborgenen Funde gemeinsam mit den schriftlichen Überlieferungen und dem erhaltenen Baubestand interdisziplinär aufgearbeitet. 

  • Ort: Kollegiengasse 10
  • Beginn: 09:45 Uhr
    • 09:45 Uhr: Pop-up-Konzert der Knabenchöre Jena und Uetersen, des Männerchors Göttingen und des Chors der Ehemaligen anlässlich des 50. Geburtstags des Knabenchors der Jenaer Philharmonie

    • 10:00 Uhr (im Anschluss): Führung zur Geschichte des Collegium Jenense und der Universität im Kollegien-Hof mit Dr. E. Paust, Kustos Sammlung Ur- & Frühgeschichte/Friedrich-Schiller-Universität

Zehn Jahre lebte und wirkte Friedrich Schiller in Jena. Von den fünf Häusern, in denen er in diesen Jahren wohnte, ist nur das Gartenhaus erhalten. Schiller erwarb das Gartenhaus am Rande der damaligen Südvorstadt von Jena im März 1797. Bereits zwei Monate später bezog er mit seiner Familie das Haus. Im folgenden Jahr ließ er an der Südwestecke des Grundstücks ein Türmchen, sein „Belvedere“, errichten, dessen oberes Stockwerk ihm als Rückzugsort zum Dichten diente. Goethe nannte es die „Gartenzinne“. Der Garten war im hinteren Teil dicht mit verschiedenen Obstbäumen bepflanzt, während sich am Haus ein Gemüsegarten befand. Hinzu kamen viele Blühsträucher. 

In dem kleinen Paradies an der Leutra entstanden Teile des "Wallensteins", der "Maria Stuart" und die berühmten Balladen für den Musenalmanach. Im Jahre 1811 - sechs Jahre nach Schillers Tod - wurde hier auf Wunsch des Herzogs Carl August die erste Jenaer Sternwarte erbaut. Friedrich Schiller war eingebunden in ein weitgefächertes Netzwerk, das ihn und seine Familie unterstützte. Sein Lebens- und Schaffensweg wäre bei aller Genialität ohne diese nur schwer vorstellbar. Auch der Garten war nicht nur Rückzugsort, sondern auch Treffpunkt für den intellektuellen Austausch.

  • Ort: Schillergäßchen 2
  • Geöffnet: 10:00 – 17:00 Uhr (Eintritt frei) 
    • 10:30, 11:30, 13:00 und 14:00 Uhr: Führungen durch Haus und Garten mit Dr. S. Schlotter, Friedrich-Schiller-Universität Jena (max. 15 Personen, Dauer ca. 30 min.)

    • „Ewig jung ist nur die Phantasie - Scherenschnitte und Origami“
    • „Wertvoll - eine Schatzsuche durch Schillers Garten und Haus“
    • 12:00 Uhr: Pop-up-Konzert des Chors aus Männerstimmen des Philharmonischen Knabenchors und der Ehemaligen anlässlich des 50. Geburtstags des Knabenchors der Jenaer Philharmonie

Die Geschichte der Jenaer Karmelitenniederlassung ist von zahlreichen Umbrüchen gekennzeichnet. Einen ersten, 1414 errichteten Klosterbau löste bereits Ende des 15. Jh. ein Neubau mit angeschlossener Hallenkirche ab. Nach Auflösung des Klosters 1529 wurde in den Räumen ab 1553 im Auftrag des Herzogs Johann Friedrich von Sachsen eine Druckerei eingerichtet. Diese diente von Anfang an der Publikation einer neuen Gesamtausgabe des Luther-Werkes. Dazu erteilte der Herzog im November 1553 dem Buchdrucker Johann Rödinger das Privileg zum alleinigen Druck und Vertrieb von Luthers Schriften.

Druckerzeugnisse bildeten die mediale Infrastruktur der Reformation. Die durch den Druck mit beweglichen Lettern ermöglichte Verbreitung der reformatorischen Ideen, weit über die Grenzen einer kleinen gebildeten Minderheit hinaus, trug wesentlich zu deren Durchsetzung bei. Das Kloster gehört mithin zu den herausragenden historischen Plätzen und Zeugnissen der Reformationsgeschichte. Die Baulichkeiten des Klosters unterlagen nach dem Niedergang der Druckerei im 30jährigen Krieg 1669 einem Umbau zum Gasthof „Zum gelben Engel“ – und blieben damit Teil einer speziellen städtischen Infrastruktur – der der Gasthöfe, Schenken und Kneipen. 

2017 aufwendig denkmalgerecht saniert, erfuhr das Areal um den einzigen authentischen Ort klösterlichen Lebens und der Reformation des 16. Jh. in Jena mit dem Neubau der Bibliothek einen neuerlichen Umbruch. Am Tag des offenen Denkmals soll das Kleinod wieder einmal im Mittelpunkt stehen.

  • Ort: Engelplatz 1
  • Geöffnet: 11:00 – 15:00 Uhr (Eintritt frei), Kurzführungen nach Bedarf ab 5 Personen
    • 12:30 Uhr: öffentliche Führung mit Museumsmitarbeiter*innen

Der Marktplatz ist der zentrale Knotenpunkt im Netz der Stadtgesellschaft, aber auch im überregionalen Verkehrs- und Handelsnetz. Er erlaubt wie kaum ein anderer Ort durch einen Blick auf die Entwicklung der Bebauung, der Architektursprachen, auf die Zusammensetzung der Eigentümer, Bauherren und Mieter und der Gewerke vor Ort Rückschlüsse auf die historische Entwicklung der Stadt. Hier steht auch das Historische Rathaus als Kristallisationspunkt und baulicher Ausdruck kommunaler Selbstverwaltung. Hier stehen Bürgerhäuser und Gasthäuser, deren Geschichte viele Jahrhunderte zurückreicht. Das letzte giebelständige Haus am Markt ist heute die „Alte Göhre“. 

Das Haus mit dem zweigeschossigen, massiven Steinsockel, Vorhangbogenfenstern und einem Kielbogenportal verdankt seinen Namen dem Weinhändler Paul Göhre, der das Haus 1893 erworben hatte. Die ältesten Teile im Keller des Hauses stammen aus dem 13. Jh. Der Vorgängerbau des heutigen Gebäudes wurde um 1370 errichtet. 1554-1557 (d) baute man das Haus durch Errichtung eines zweiten Obergeschosses in Fachwerkbauweise im heutigen Erscheinungsbild um. Im ersten Obergeschoss wurde eine Holzstube eingestellt. Die „Neue Göhre“ wurde 1908 nach Abbruch der alten Marktmühle im Auftrag Göhres nach Plänen von Johannes Schreiter gebaut. Ihre neogotische Schaufassade weist zur Saalstraße. Seit 1986 ist es Sitz der Städtischen Museen Jena. 

  • Ort: Markt 7
  • Geöffnet: 10:00 – 17:00 Uhr (Eintritt frei)

Das heutige Domizil der Jenaer Tourist-Information und des Kunstvereins besteht aus zwei Ständergeschossbauten. Das marktseitige Gebäude wurde 1384 (d) über den Resten mehrerer Vorgängerbauten als giebelständig zum Markt orientiertes dreigeschossiges Speicher- und Kontorhaus errichtet. Die „Hohe Halle“ im Erdgeschoss des marktseitigen Gebäudes wurde ohne Zwischenwände überspannt. 1435 (d) erfolgte der Anbau eines Hinterhauses als nach Osten ausgerichtetes Wohngebäude mit Holzstube. Das Vorderhaus wurde 1650 ebenfalls zu Wohnzwecken umgebaut. Dabei erfuhr auch die Dachkonstruktion eine Erneuerung, die sich nun traufständig zum Markt zeigte. 

In einer weiteren Bauaktion 1736-1737 wurde die marktseitige Fassade vollständig erneuert sowie das Dachgeschoss überformt. Im Rahmen bauhistorischer Untersuchungen 1994-1997 wurde die weitgehend erhaltene mittelalterliche Bausubstanz beider Häuser mit einem Fachwerkgerüst aus über alle Geschosse durchlaufenden Wandständern erkannt. Komplett erhalten haben sich bauzeitliche Lehmausfachungen mit Bemalung mit breiten Begleitstrichen und der Fußboden über dem Erdgeschoss (Dielung, Stampflehm, Gipsestrich als Nutzschicht im 1. OG). Auch Reste der historischen Ausmalung der Holzstube im Wohnhaus sind heute noch zu bestaunen. Für die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude erhielt die Stadt Jena 2003 den Thüringer Denkmalschutzpreis. Speichergebäude, gerade in der Verbindung als Speicher- und Kontorhaus waren wichtige Funktionsbauten in der städtischen Infrastruktur.

  • Ort: Markt 16
  • Geöffnet: 14:00 – 20:00 Uhr, Mitglieder des Kunstvereins geben vor Ort Auskunft

Das eigentliche Zentrum der Jenaer Frühromantik und „historische Romantikerhaus“ befand sich in der Leutragasse 5. Es wurde von August W. Schlegel, Caroline Schlegel, Dorothea Veit und Friedrich Schlegel von 1796 an bewohnt. Im November 1799 fand dort das berühmt gewordene „Romantikertreffen“ statt, an dem auch Friedrich von Hardenberg (Novalis), Friedrich W. J. Schelling und Ludwig Tieck teilnahmen. 1945 wurde dieses Gebäude zerstört. Die Leutragasse ging mit der Errichtung des ZEISS-/Uni-Turms verloren.

Das heute so genannte „Romantikerhaus“ war das Wohnhaus des Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Es wurde um 1670 (1667-1668 d) auf älteren Fundamenten erbaut. Das Gebäude lag ursprünglich an einem kleinen Platz (Sitzenplan), der sich am Kreuzungspunkt von Unterm Markt und Unterlauengasse befand. Anfang des 20. Jh. wurde das Umfeld durch städtebauliche Maßnahmen großflächig umstrukturiert. Mit der Errichtung des Gebäudekomplexes Unterm Markt 8 - 12 wandelte sich der öffentliche Platz in einen Hofbereich, der aber immer noch die Haupterschließung darstellt. Das Gebäude selbst ist das letzte verbliebene vormoderne Haus innerhalb des Areals. Seine Schauseite bildet heute die Fassade zum Löbdergraben. Mit dem zunehmenden Wissen um die Bedeutung der Jenaer Frühromantik beschloss man, in Jena museal an die Frühromantik zu erinnern. Hierfür wurde 1981 die „Gedenkstätte der deutschen Frühromantik“ im Erdgeschoss des bis dahin als Wohnhaus genutzten Gebäudes eröffnet. Bis 1985 erfolgte die Gestaltung der Freiflächen, die heute ebenfalls vom Schutzstatus umfasst sind. 2021-2022 wurde das Haus in Folge einer Havarie saniert. Nunmehr stehen umfangreiche Umbaumaßnahmen im Erdgeschoss, aber v. a. auch im Außenbereich an.

  • Ort: Unterm Markt 12a
  • Geöffnet: 10:00 – 17:00 Uhr (Eintritt frei)

Der Tag des offenen Denkmals ist Denkmalvermittlung kompakt. Denkmalvermittlung wiederum ist ein wichtiger Bestandteil historisch-politischer, kultureller Bildung. Für eben diesen Zweck wurde seinerzeit das Volkshaus errichtet. Der kulturellen Bildung und Vermittlung hat sich auch die Jenaer Philharmonie verschrieben. Insofern kommt nun schon in guter Tradition zusammen, was zusammengehört: das Saisoneröffnungskonzert der Jenaer Philharmonie, der Tag der offenen Tür im Volkshaus und der Tag des offenen Denkmals. 

Das zwischen 1901 und 1903 auf Initiative von Ernst Abbe nach Plänen Arwed Roßbachs entworfene winkelförmig angelegte Gebäudeensemble sollte der 

Belehrung und geistigen Anregung für die Arbeiter

 dienen. Der Gebäudekomplex mit seiner funktionalen Binnenstruktur, repräsentativen Fassaden- und Innengestaltung sowie dem akustisch und gestalterisch hochwertigen Saal erfüllt bis heute vielfältige Funktionen. Der markante Küchentrakt musste allerdings dem Neubauprojekt „Deutsches Optisches Museum“ weichen, und die Lesehalle verlor durch den Bibliotheksneubau ihre jahrzehntelang währende Nutzung. Die von 2017-2022 laufende denkmalgerechte Sanierung umfasste neben der Behebung von Schäden auch die Sichtbarmachung historischer Oberflächengestaltungen sowie die Anpassung an moderne und neue Nutzungsanforderungen. Da der Gebäudekomplex aufgrund der neuen Nutzung dem Großteil der Bevölkerung nicht mehr ganz so ungezwungen zugänglich ist, soll zumindest mit einem jährlichen „Tag der offenen Tür“ am Wochenende des Denkmaltags „...ein für alle offenes Haus“ geschaffen werden. 

  • Ort: Carl-Zeiß-Platz 15
  • Geöffnet: Geöffnet: 10:00 – 15:00 Uhr (Turm- & Saalgebäude)
    • ab 15:00 Uhr: Saisoneröffnungskonzert „Planet Dvořák“ der Jenaer Philharmonie unter Leitung von Generalmusikdirektor Simon Gaudenz und Mitwirkung des Oberbürgermeisters von Jena Dr. Th. Nitzsche im Ernst-Abbe-Saal

Der Welterfolg der Fa. ZEISS beruht auf der Zusammenarbeit von Carl Zeiß, Ernst Abbe und Otto Schott. Mitte des 19. Jh. gründete der Mechaniker Carl Zeiß in Jena seine optische Werkstatt. Der Physiker Ernst Abbe steuerte die entscheidenden optischen Berechnungen bei und revolutionierte die Fertigung optischer Instrumente. Der Chemiker Otto Schott brachte die moderne Glasbearbeitung in das innovative Team. Ernst Abbe, dem herausragenden Wissenschaftler, Unternehmer und vor allem Sozialreformer und Kulturmäzen wurde hier im Zentrum seines Wirkens ein Denkmal errichtet, das wiederum selbst der Zusammenarbeit verschiedenster Künstler und Kulturschaffender entsprang. Abbes Reformen und Initiativen (Zeiss-Stiftung mit Sozialstatut, Errichtung eines Bildungs- und Kulturortes für alle mit dem Volkshaus, Gründung von Baugenossenschaften) gelangen, weil Abbe nicht nur Visionen hatte, sondern in ein breites wirkungsvolles Netzwerk aus Stadtgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur eingebunden war und zudem zwischen Unternehmern, Arbeiterschaft, Politikern und Kulturschaffenden vermitteln konnte.

Der monumentale Gedenkpavillon, dessen Entwürfe auf Henri van de Velde zurückgehen, wurde 1909-1911 zu Ehren von Ernst Abbe errichtet. Im Innern beherbergt das tempelartige Bauwerk Bronzeabgüsse der vier ursprünglich für eine Ausführung in Stein bestimmten Reliefs von Constantin Emile Meunier. Er schuf sie für das unvollendet gebliebene „Monument der Arbeit“. Die Reliefs zeigen: „Die Industrie“, „Das Bergwerk“, „Die Ernte“, „De(n) Hafen“. Das Relief „L‘Industrie“ stellt eine dramatische Szene in einer Glashütte dar und passte damit perfekt nach Jena. Die Verwendung der anderen Reliefs wurde aufgrund ihrer inhaltlichen Lösung vom Ursprungskontext möglich. Im Zentrum des Pavillons steht auf einem Rotmarmorsockel die von Max Klinger in weißem Marmor geschaffene Herme mit der Porträtbüste Ernst Abbes und allegorischen Darstellungen. Der in eine Grünanlage eingebettete Pavillon bildet das Zentrum des Carl-Zeiß-Platzes. Der achteckige Zentralbau gilt als Gesamtkunstwerk europäischen Ranges, dessen Wirkung und Aussagekraft in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Umgebung steht. Seine Lage im Stadtraum ist nicht nur durch die Nähe zur einstigen Wirkungsstätte Abbes, sondern auch symbolisch begründet. Gemeinsam mit dem ZEISS-Hauptwerk, dem Volkshaus und dem ehemaligen Wohnhaus Abbes bildet er einen Ort der Besinnung im Dreieck aus Arbeit, Leben und Kultur.

  • Ort: Carl-Zeiß-Platz
  • Geöffnet: 10:00 – 18:00 Uhr, Informationsmaterial und Ansprechpartner*innen sind vor Ort

Das vor 100 Jahren - 1926 - nach Plänen von Schreiter & Schlag errichtete ZEISS-Planetarium ist das weltweit dienstälteste freistehende Großplanetarium. Der Bau ist nicht nur ein herausragender Vertreter der Betonarchitektur des frühen 20. Jh., er ist v. a. der Prototyp einer neugeschaffenen Baugattung: des Planetariums. Das als Solitär in einer weiträumigen Umgebung konzipierte Bauwerk wurde im Hauptbau als kuppelbekrönte Rotunde mit querrechteckigem achtachsigem Portikus – quasi als pronaos zum Tempel der Wissenschaft und Technik – ausgebildet. Die Betonschale nach ZEISS-DYWIDAG ist nur 6 cm stark. Während die äußere Netzwerkkuppel die Grundlage der Betonschale bildet, trägt eine innere Netzwerkkuppel die Projektionsfläche. Der Zwischenraum mit verschieden eingehängten Blechen diente der Schallverbesserung. 

Die bahnbrechende Erfindung des so genannten ZEISS-DYWIDAG-Systems geht zurück auf Walter Bauersfeld. Für den von ihm und Franz Meyer erfundenen „Planetariumsapparat“ wurde ein Versuchsraum benötigt, an den probeweise das Himmelsgewölbe projiziert werden konnte. Bauersfeld entwickelte das halbkugelige Netzwerk aus eisernen Flachstäben, die über eine spezielle 6er-Knoten-Verbindung jeweils sternenförmig zusammengehalten wurden. Dieses Netz dient als Grundlage. Es wurde mit einem Drahtnetz umgeben und durch Torkretieren, dem gerade erfundenen Spritzverfahren mit schichtweisem Auftrag von Beton, zu einer geschlossenen Schalenfläche geformt. Die innere Netzwerkkuppel ist gleich der äußeren konstruiert. Anlässlich des 100. Geburtstages des ZEISS-Planetariums wurden Projektionsfläche und -technik modernisiert und saniert. Einige Wochen war das Netzwerk zu bestaunen. Am Denkmaltag erläutert die Ernst-Abbe-Stiftung in Führungen Konstruktion und Sanierungsmaßnahmen dieses 2019 durch die Bundesingenieurkammer als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ anerkannten Kulturdenkmals.

  • Ort: Am Planetarium 5
  • Geöffnet: 12:30, 13:00, 13:30 und 14:00 Uhr: halbstündige Führungen mit Th. Schmidt und J. Hühn, Ernst-Abbe-Stiftung (max. 20 Personen - Voranmeldung erforderlich!)
    • Anmeldungen am 08.09. und 10.09. jeweils von 09:00 bis 11:30 und 13:00 bis 15:30 Uhr unter der Telefonnummer 0049 3641 495141 oder per E-Mail unter denkmalamt@jena.de bis 11.09.2026

1828 gründete Zeugschmiedemeister Pelzer in der Wagnergasse die Maschinenschlosserei Gebr. Pelzer, aus der 1908 die Firma Franz Pelzer in der Fischergasse hervorging. In dem zweigeschossigen Werkstattbau wurden sämtliche Reparaturen, die mit der Metallbranche in Verbindung stehen, durchgeführt, v. a. Reparaturen von Fleischerei-, landwirtschaftlichen und Druckanlagen. Entsprechend umfassend ist die Ausstattung der Werkstatt. Die Werkstatt erhielt auch ein Patent - für einen Bratwurstrost. Nach ihrer Schließung 1992 wurde sie zunächst von der JENOPTIK GmbH erworben, aber schon 1993 der Stadt Jena übergeben, die das technische Denkmal seitdem als Museum nutzt.

  • Ort: Fischergasse 1
  • Geöffnet: 11:00 – 16:00 Uhr (Eintritt frei), Kurzführungen nach Bedarf ab 5 Personen 
    • 11:00 und 14:00 Uhr: „Werkstattgeschichte(n)“ - öffentliche Führung mit Museumsmitarbeiter*innen

Der Volkspark Oberaue – bestehend aus Paradies, Rasenmühleninsel, Oberaue – geht weitestgehend auf Entwürfe des Jenaer Gartenarchitekten G. Weichelt zurück, der jedoch vor allem Bestehendes reflektierte und integrierte. Seine 1957 realisierten Planungen nahmen vorhandene Strukturen wie die alten Alleen, Teich und Uferweg, aber auch Kleinarchitektur aus den 1930er Jahren wie das Paradiescafé auf. Der Glaspavillon wurde im Zuge einer notwendig gewordenen Neugestaltung des Parks 1974-1978 als Mehrzweckgebäude von Friedhelm Schubring in das Ensemble eingefügt. Seine Architektur reflektiert einerseits den besonderen Raum der Saaleaue, andererseits die Tradition der klassischen Moderne, insbesondere Ideen und Gestaltungselemente von Mies van der Rohe und vor allem Richard Neutra. Sie besticht durch Großzügigkeit, Offenheit und klar strukturierte Kompaktheit. 

Aktuell stellen gerade diese denkmalwertprägenden Charakteristika die Denkmalpflege vor neue Herausforderungen. Die immer stärkere Reduzierung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen führt leider in den wenigen verbliebenen Naturräumen zu – im wahrsten Sinne des Wortes – schmerzhaften Kollisionen. Aber Natur- und Denkmalschutz arbeiten seit Jahren vertrauensvoll zusammen. Es wird also eine denkmalverträgliche, artenschützende Lösung gefunden werden. Bis dahin wird die Scheibenbeklebung hingenommen.

  • Ort: Vor dem Neutor 5 a
  • Geöffnet: 13.09., 13:00 – 17:30 Uhr
    • Schaufenster-Ausstellung zur Geschichte des Glashauses, 

    • 15:00 Uhr Terrassenkonzert mit „Kalter Dienstag“, 

    • 16:00 Uhr Terrassenkonzert mit „Frau Meyer“

    • Ein kleines Buffet und Getränke stehen bereit.

Unter dem diesjährigen Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur – Historische Bauten, die uns bewegen und verbinden" richten sich die Scheinwerfer auch auf die kulturelle Bildungsinfrastruktur, über die der so notwendige Wissen- und Kulturtransfer funktioniert sowie die gesellschaftlichen und fachlichen Netzwerke, die unsere Denkmallandschaft am Leben erhalten. Ein für Jena wichtiger und sehr besonderer Knoten in diesen Netzwerken ist die Villa Rosenthal.

Der zweifache Universitätsrektor und sozial- wie kulturpolitisch hoch engagierte Jurist Prof. Eduard Rosenthal war Mitverfasser der Statuten der Carl-Zeiss-Stiftung und gilt als Schöpfer der „Thüringischen Landesverfassung“. Das 1890-1891 nach Plänen des Berliner Architektenbüros Kayser und von Großheim errichtete Wohnhaus für ihn und seine Frau Clara entwickelte sich bereits kurz nach dem Einzug der Familie zu einem der kulturellen Mittelpunkte des bürgerlich-geistigen Lebens in und um Jena. 1924 verfügten Clara und Eduard Rosenthal, die Villa und das dazugehörige Anwesen der Stadt Jena testamentarisch zu übertragen. Darin eingeschlossen war das lebenslange Wohnrecht für Clara Rosenthal. Bereits 1928 übereignete Clara Rosenthal das Anwesen der Stadt Jena. 1939 ordnete der Oberbürgermeister an, „das Haus judenfrei zu machen.“ Dank einer Intervention des Rechtsamts der Stadt behielt Clara Rosenthal ihre Wohnung im Erdgeschoss des Hauses. Offensichtlich zermürbt und schwer krank, nahm sie sich hier am 11.11.1941 das Leben. Ihr Leichnam wurde zum Nordfriedhof Jena gebracht; eine Grabstelle ist bis heute unbekannt. 2009 wurde die Villa Rosenthal nach grundhafter, denkmalgerechter Sanierung durch die jenawohnen GmbH wiedereröffnet. Unter der Regie von JenaKultur erinnert seither ein vielfältiges Nutzungsprogramm an das politische, gesellschaftliche und kulturelle Engagement der Familie Rosenthal. Der Ort ist zudem Teil des dezentralen Denkmals für Eduard Rosenthal „Erkundungsbohrungen“.

Die Villa besticht durch ihre äußerst repräsentative Gestaltung, die jeden Raum stilistisch einer Epoche anlehnte. Bis heute haben sich Fragmente einer monumentalen Wandmalerei, Rokokoapplikationen, Wandvertäfelungen und diverse Jugendstilelemente erhalten. Sie ist eingebettet in einen rund 4000 m² großen parkähnlichen Garten mit historischem Baumbestand und Gedenkpavillon. 

Die Villa Rosenthal ist zudem Teil einer ortsbildprägenden Hangbebauung aus Villen und -gärten aus der Zeit um 1870 bis 1900. Gerade im Zusammenwirken mit den Einfriedungs- und Terrassenanlagen der benachbarten zum Großteil ebenfalls als Kulturdenkmale eingetragenen Villen erhält die Gestaltung und Formulierung des Felsplateaus eine herausragende Bedeutung und raumgreifende Wirkung. Genau dieses Felsplateau stellt aber eine neuerlich große Herausforderung für den Erhalt des Kulturdenkmals dar. Gemeinsam mit der jenawohnen GmbH, dem Landesamt für Denkmalpflege und wissenschaftlichen Instituten wird nach nachhaltigen, realisierbaren Lösungen gesucht. 

  • Ort: Mälzerstraße 11
  • Geöffnet: 10:00 – 16:00 Uhr, Ansprechpartner*innen sind vor Ort
    • ganztägig: “Dauerausstellung zur Familie Rosenthal”

Die Universitätskliniken / ehemalige Landesheilanstalten in Jena bilden ein über 200 Jahre gewachsenes Ensemble aus verschiedenen Baukörpern. In Gestalt, Form und der zum Teil erhaltenen Struktur und Ausstattung lassen sich die Ansprüche der Medizintechnik und -ethik ihrer Erbauungszeit erkennen. Als großräumiges Areal ehemals vor den Stadttoren errichtet bildet es heute einen wichtigen Bestandteil der Jenaer Innenstadt. Der Komplex unterliegt trotz seiner sukzessiven Erbauung einem gestalterischen Gesamtkonzept, welches sich besonders in den Wegeführungen, der Platz- und Grünflächengestaltung sowie dediziertem, funktionsbezogenem Bauschmuck fassen lässt. 

Eine herausragende Rolle in der Gestaltung spielte der Heilgedanke der Genesung im Grünen. Sämtliche Klinikbauten des 19. Jh. waren über aufwendig gestaltete Grünanlagen an den zentralen in Anlehnung an zeitgenössische Landschaftsparks gestalteten Grünraum angebunden. Das Bachstraßen-Areal bildet die Keimzelle der Jenaer Universitätsmedizin und ist von herausragender stadt-, kultur- und medizingeschichtlicher Bedeutung. Es steht als Denkmalensemble unter Schutz. Einige Objekte sind zudem als Einzelkulturdenkmale geschützt. Das Gebiet steht vor einem großen Umbruch. Aktuell wird ein städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet. Nachdem im letzten Jahr die Führung durch das Areal wegen „Überfüllung“ etwas ungeordnet verlief, gibt es in diesem Jahr zunächst einen einführenden Vortrag im Hörsaal der Augenklinik und anschließend eine Führung durch das Areal mit Besichtigung des Bunkers der Frauenklinik. Die Pathologie kann leider nicht mehr begangen werden. 

  • Ort: Bachstraße 18
  • Geöffnet: 13:00 Uhr: Vortrag im Hörsaal der Augenklinik und anschließende Kurzführung durch das Klinik-Areal mit E. Zimmermann, Untere Denkmalschutzbehörde (Dauer: insgesamt ca. 2,5 h)

Zum Tor hinaus in Jenas Umgebung, ländliche Ortsteile und historische Ortskerne

Seit nunmehr 150 Jahren ragt das 1871-1874 errichtete und 2009 sanierte Denkmal für die Gefallenen des Jenaer Bataillons im Deutsch-Französischen Krieg über die Baumwipfel auf dem Forst. Bei gutem Wetter bietet der Forstturm phantastische Ausblicke über Jena und die angrenzenden Täler. Dies gilt auch für den 1906-09 als monumentalen Aussichtspunkt nach Plänen von W. H. Kreis unter Leitung von Stadtbaudirektor Bandtlow auf dem Malakoff zur Würdigung des ehemaligen Reichskanzlers errichteten Bismarckturm. Der Bismarckturm weist seit Jahren massive Schäden v. a. an der Turmkrone / dem Kronenumgang mit Adlerskulpturen und unterer Balustrade auf. Der jahrelange Feuchtigkeitseintrag in den Mauerwerksbestand hat hier zu enormen Störungen des konstruktiven Gefüges geführt. Die 9 Stützpfeiler des Kronenumgangs weisen bereits Lageverschiebungen auf. Das Gefüge des Bogenmauerwerks im Kronenumgang ist ebenfalls massiv gestört. In den vergangenen Jahren wurden v. a. Notsicherungen auch mit Entnahme absturzgefährderter Werksteine vorgenommen. 

Seit dem Frühjahr nun realisiert der Eigenbetrieb KIJ den ersten Bauabschnitt der grundhaften Sanierung. Die Maßnahme wird vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege gefördert. Zum Denkmaltag laden KIJ und die Berggesellschaft Forsthaus e. V. zu Baustellenführungen ein, um über die laufenden Arbeiten und die geplanten weiteren Maßnahmen zu berichten. Die Berggesellschaft Forsthaus e. V. ist zudem mit einer Ausstellung zur Geschichte des Bismarckturms präsent.

  • Ort: Auf dem Forst
  • Forstturm geöffnet: 11:00 – 15:00 Uhr
  • Bismarckturm geöffnet: 12:00 – 15.00 Uhr
    • Baustellenführungen mit Frau D. Kohl (Kommunale Immobilien Jena) und Herrn Th. Pfeil (Architekt), letzte Führung 14:45 Uhr
    • Achtung: Der Aufstieg auf die Arbeitsgerüstebene wird in kleinen Gruppen von 10 bis 15 Personen erfolgen. Es ist festes, geschlossenes Schuhwerk zu tragen. Kinder dürfen erst ab 8 Jahren (Körpergröße mind. 1,20 m) und nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten das Gerüst betreten.

Bitte bevorzugt ohne PKW erkunden, es steht nur eine begrenzte Anzahl an PKW-Stellplätzen auf dem Schottplatz zur Verfügung. 

Die kleine Sternwarte wurde 1903-1904 als erste Werksternwarte der Firma Carl Zeiss errichtet. Der Kuppelbau selbst hat einen Durchmesser von 6 m, wurde aber von einem kleinen Werkstattgebäude ergänzt. 1913 entstand der Vorbau, 1936-1937 wurde ein weiterer Anbau angefügt. Die Sternwarte ist heute mit einem Cassegrain-Spiegelteleskop 500/10 000 aus den 1970er Jahren ausgestattet. 2024-2025 wurden an Lagerung und Antrieb des Teleskops Wartungsarbeiten durchgeführt. Aufgrund der Konstruktion und der Lage der Sternwarte gestaltete sich die Maßnahme etwas aufwendiger. Die Stadt Jena konnte die Arbeiten am Teleskop mit einem kleinen Förderbeitrag unterstützen.

Die Geschichte und auch der Erhalt der kleinen Forststernwarte sind unmittelbar mit der Arbeit des Urania-Vereins verknüpft. Auch dieser Verein entsprang dem Netzwerk aus Universität, ZEISS-Werk, Stadtgesellschaft, das Jena so stark prägt(e). 1897 wurde die Astroabteilung des ZEISS-Werkes gegründet. Damit einher ging die Idee einiger Mitarbeiter dieser Abteilung für einen populärwissenschaftlichen astronomischen Verein. Dieser gründete sich 1909 als Urania e.G.m.b.H., eine Genossenschaft mit zunächst 20 Mitgliedern. Im Sommer 1909 überließ ihr die Fa. Carl Zeiss die Forststernwarte. 1924 benannte sich die Genossenschaft in den eingetragenen Verein Volkssternwarte Urania e. V. um. Auch in diesem Netz wurde zu verschiedenen Zeiten an den Fäden unterschiedlich stark gezogen, aber es hielt. 1936 musste der Verein die Forststernwarte an die Universität übergeben. Als Gegenleistung bekam er die Winklersche Kuppel im Schillergässchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein in die Astronomische Arbeitsgemeinschaft des VEB Carl Zeiss Jena überführt. Vor 60 Jahren, am 19.04.1966, erhielten die Mitglieder der Volkssternwarte Urania die Forststernwarte einschließlich des Cassegrain-Spiegelteleskops 500/10000 von der Universität zurück und betreiben seither zwei Sternwarten. Die Arbeitsgemeinschaft Astronomie ist seit dem 05.12.1990 entsprechend ihrer Satzung von 1909 wieder ein eingetragener Verein.

  • Ort: Auf dem Forst / Forstweg 88
  • Geöffnet: 13:00 – 16:00 Uhr
    • Entsprechend Besucherinteresse erfolgen kontinuierlich Kuppelführungen durch Mitglieder der Volkssternwarte Urania Jena e. V. Bei geeignetem Wetter werden Sonnenbeobachtungen durchgeführt.

Die Kirche „Unserer Lieben Frau“ wurde anstelle eines Vorgängerbaus aus dem 13. Jh. zu Ehren der Heiligen Maria gebaut. Sie bildete den Mittelpunkt der Dörfer Wenigenjena und Camsdorf. Der Neubau begann um 1400 mit dem Bau des großen Chorpolygons unter Beteiligung des Werkmeisters Peter Heuerliß, dem führenden Steinmetz an der Jenaer Stadtkirche. Nach teilweiser Fertigstellung der Schönen Pforte als Eingangsportal an der Südfassade des Langhauses mussten die Pläne für einen großen Kirchneubau reformationsbedingt aufgegeben werden. 1516 brachte man ein hölzernes Notdach auf. Auch der Turmbau blieb aufgrund der Reformation unvollendet. Erst in der nachreformatorischen Zeit (1557) wurde das Gotteshaus in verkürzter Form und schlichter Ausführung fertiggestellt. 1790 wurde in der Dorfkirche Friedrich Schiller mit Charlotte v. Lengefeld getraut. Im Zuge der Restaurierung der Kirche 1897 - 1902 erhielt der Chor seine Einwölbung. In der 2. Hälfte des 20. Jh. mussten wegen Schwammbefalls und des eingestürzten Langhausdaches Teile der Kirche gesperrt werden. Ab 1990 begann die Sanierung der Kirche, u. a. mit Spenden aus der Schiller-Geburtsstadt Marbach.

  • Ort: Schlippenstraße 32
  • Geöffnet: 12:00 – 16:00 Uhr, Gemeindemitglieder sind vor Ort und geben gern Auskunft

Ab 1424 wurde der heutige Kirchenbau als „neue Kapelle“ für ein wundertätiges Marienbild errichtet. Mit der Fertigstellung des spätgotischen Chorraumes ist der Beginn einer regen Pilgertradition in Ziegenhain belegt. 1636 wurde der Chor baulich abgetrennt, das dreischiffige Langhaus ist heute ruinös. An der Nordwand des Chores erhaltene Wandmalereien des Epiphaniasgeschehens aus der Zeit von 1430 zeigen vermutlich Ansichten von den Burganlagen auf dem Hausberg. Der gotische Flügelaltar enthält 353 studentische „Eintragungen“ aus der Zeit von 1591 bis 1635. Einer der wenigen in Deutschland erhaltenen barocken Pyramidenaltäre (1694) befindet sich nach Restaurierung seit 2016 wieder im Altarraum. 

In den vergangenen Jahren wurden mit verschiedenen Denkmalfördermitteln und der Unterstützung des Kirchbauvereins die Dachstühle und Dächer (Kirchdach und Turm) saniert. Im Januar 2022 konnten Turmknopf, Wetterfahne und Kreuz aufgebracht werden. 2024 wurden die Außenanlagen gestaltet. Der im vergangenen Jahr in Auftrag gegebene Neuguss von zwei Bronzeglocken wurde dieses Jahr realisiert. Am Denkmaltag können sowohl die wunderbare Marienkirche als auch die beiden neuen Glocken besichtigt werden. Die feierliche Weihe der Glocken ist für den Herbst geplant.

  • Ort: Edelhofgasse 9
  • Geöffnet: 10:00 - 18:00 Uhr Gemeindemitglieder sind vor Ort
    • 115:00 und 16:00 Uhr: Kirchführung mit Prof. Dr. M. Jahreis und Prof. Dr. G. Jahreis
    • 17:00 Uhr: Andacht und Kirchführung mit Pfarrer Dr. Chr. Rymatzki

Die Lobdeburg war im Mittelalter nicht nur Wohnsitz der sich nach ihr benennenden adeligen Familie, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der verwaltungstechnischen und infrastrukturellen Organisation ihres Herrschaftsgebietes. Dieses erstreckte sich vom Saaletal bis zum nördlichen Thüringer Schiefergebirge. Um diese Bedeutung zu kennzeichnen, hatte man für die Errichtung der Burg in der Mitte des 12. Jh. einen weithin sichtbaren Standort gewählt. Die Burg bildete somit eine Landmarke an der Außengrenze der Lobdeburger Territorialherrschaft.

Heute wird die in herausgehobener Geländeposition gelegene Burgruine vor allem durch den auf Fernwirkung ausgerichteten monumentalen Wohnturm englisch-normannischen Typs bestimmt.

Nach fast 30jähriger, umfassender denkmalgerechter Sanierung des oberirdisch erhaltenen und durch die archäologischen Untersuchungen freigelegten Baubestandes ist die Burg jetzt für die Öffentlichkeit wieder zugänglich und bietet dem Besucher überraschende Ein- und Ausblicke. Der Jenaer Stadtarchäologe Dr. Rupp hat in seiner Dissertation von 2020 die archäologischen Grabungen und bauhistorischen Untersuchungen, die im Zusammenhang mit diesen Arbeiten – zum Teil von ihm selbst - durchgeführt wurden, ausgewertet. Besucher erwartet eine spannende Führung.

  • Ort: auf dem Bergsporn südlich von Lobeda
  • Geöffnet: 9:30 Uhr; Treffpunkt: vor dem Burgtor
    • Führung durch die Burganlage mit Dr. M. Rupp, Stadtarchäologe / Untere Denkmalschutzbehörde 

Der heutige spätgotische Kirchenbau entstand anstelle einer bereits 976 und 1228 erwähnten und 1446 im sächsischen Bruderkrieg zerstörten älteren Kirche. Ende des 15. Jh. begann der Wiederaufbau der Kirche, wobei sich das Kirchenschiff auf den Mauerresten des Vorgängerbaus gründet. Der heute die Silhouette Lobedas prägende gotische Chor wurde 1477-1483 angefügt. Weitere Umbauten sind erst für 1622 durch eine Bauinschrift belegt. Im Innenraum finden sich wertvolle großflächige spätgotische Wand- und Deckenmalereien, u. a. monumentale Darstellungen des Hl. Christophorus und der Madonna im Strahlenkranz an der nördlichen Chorwand. Der oder die Meister der Secco-Malereien sind leider nicht bekannt. Als Schöpfer der wundervollen Renaissance-Steinkanzel von 1556 wird häufig Baumeister Nikolaus Theiner aus Lobeda (NTL) genannt, doch stimmt das Steinmetzzeichen nicht überein und es wäre ein sehr reifes Frühwerk. Manches bleibt eben ein Geheimnis. 

An und in der Kirche, aber auch auf dem Kirchhof stehen umfangreiche bauliche Maßnahmen an. So sollen 2027 Dachkonstruktion und Dachdeckung über dem Chor saniert werden. Um diese wichtigen Maßnahmen zu finanzieren, finden u. a. Benefizkonzerte in der Peterskirche statt. Zum Abschluss des Denkmaltages spielen Stilbruch.

  • Ort: Lobeda, Susanne-Bohl-Straße
  • Geöffnet: 14:00 - 17:00 Uhr, Führungen nach Bedarf durch Gemeindemitglieder
    • 18:00 Uhr: Benefiz-Konzert mit „Stilbruch“ aus Leipzig zur Finanzierung der Kirchsanierung

Das Ende des 13. Jh. erstmals urkundlich erwähnte Drackendorf ist eng mit dem Namen derer von Ziegesar verbunden. 1746 erwarb Carl Siegmund von Ziegesar nach dem Tod derer von Griesheim durch Ehe mit Christiane S. von Griesheim das Rittergut Drackendorf. Unter August Friedrich Carl von Ziegesar (1746-1813) sowie dessen Sohn Anton (1783-1843) entwickelte sich das Gut Drackendorf im 18. und 19. Jh. zu einem Treffpunkt und Aufenthaltsort von Humanisten und Klassikern wie Goethe, Schopenhauer, Herder, Wieland, Kügelgen und Caspar David Friedrich. Auf Anregung von Ziegesar geht auch die grundlegende Gestalt des Drackendorfer Parks als englischer Landschaftsgarten zurück, wobei eine bestehende ältere Parkanlage teilweise überformt und erweitert wurde. 

Mit dem Bau des Teehauses 1854 durch Clara von Helldorff – ihr Mann hatte 1836 das Gut erworben - kam es wahrscheinlich zu einer Überformung / Umgestaltung der Gesamtanlage im Sinne eines klassischen Landschaftsgartens, die sich jedoch nur für den engen Bereich direkt vor dem Teepavillon belegen lässt. Die heute noch vorhandene Grundstruktur des Parks in Bezug auf Raumbildung, Sichtachsen, Wegenetz geht aber vermutlich auf diese Zeit zurück. Auch der heute älteste Baumbestand mit insgesamt sechs Bäumen stammt noch aus dieser Zeit. Bis 2021 wurde in großen Teilen ein im Auftrag der Stadt Jena erarbeitetes Entwicklungskonzept dank des Einsatzes kommunaler und europäischer Fördermittel sukzessive umgesetzt und die ursprüngliche Gestaltungsidee in Abstimmung mit Naturschutzbelangen wieder erlebbar gemacht.

  • Ort: Drackendorf, Alte Dorfstraße
  • Pavillon geöffnet: 11:00 – 13:00 Uhr, auskunftsfreudige Mitglieder des Heimatvereins sind vor Ort, Kirmes mit Musik, Imbiss und Schellenbier 
  • Heimatstube (Alte Dorfstraße 20) geöffnet: 11:00 – 13:00 Uhr

Die am Rande des Drackendorfer Parks gelegene Kirche „Auferstehung Christi“ geht auf einen romanischen Vorgängerbau zurück. Teile des Kirchenbaus stammen vermutlich bereits aus dem 13. Jh. 1653-1656 erfolgte der Um- und teilweise Neubau unter Einbeziehung von Chor und Turmunterteil eines gotischen Vorgängerbaues durch Stiftung des Patronatsherrn Christian Beer. Von dem gotischen Chor sind zwar Umfassungswände und Fenster erhalten, allerdings weder Maßwerk noch Gewölbe. Laut Bauinschriften über den Türen wurden sowohl Langhaus als auch der Südanbau für den Herrschaftsstuhl und der geschlossene achteckige Turmaufbau in dieser Zeit errichtet. 

Die 1786 eingebauten Emporen wurden bei der Renovierung 1867 durch Baurat Spittel bereits wieder abgebrochen. Heute betritt man den Kircheninnenraum durch das Rundbogenportal an der Turmsüdseite. Das Patronat der Auferstehungskirche lag in den Händen der im Ort ansässigen Adelsfamilien, darunter Puster, von Ziegesar und von Helldorf.

  • Ort: Am Goethepark 3
  • Geöffnet: 09:00 - 18:00 Uhr, Informationsmaterial liegt aus

Die barocke Wöllnitzer Paulskirche wurde 1740 bis 1743 anstelle und unter Einbeziehung eines Vorgängerbaues nach Plänen des Baumeisters Johann Wilhelm Hase errichtet. Der unregelmäßige achteckige Zentralbau wird von einem achteckigen 20 m hohen Dachturm mit Schweifkuppel und Laterne bekrönt. Ein schwungvoller Barockgiebel betont die Südfassade der in Muschelkalk gesetzten Kirche. Die Mauern der Kirche werden von flachbogigen Fenstern durchbrochen. Der Charakter eines Zentralbaus wird auch im Inneren der Kirche deutlich; zwei Emporenreihen aus Holz umlaufen den Mittelraum. 

Ursprünglich hingen im Kirchturm zwei Glocken. Sie wurden 1814 aus dem Turm entfernt, da die Seitenwände der Kirche auseinanderzubrechen drohten. Heute sind zwei Stahlglocken von 1920 in einem Glockenhäuschen auf einer Anhöhe zwischen Ober- und Unterwöllnitz untergebracht, das inzwischen auch als Kulturdenkmal geschützt ist. In der Kirche befindet sich eine Orgel, die in den Jahren 1859 bis 1861 von einem Mitglied der Orgelbauerfamilie Poppe aus (Stadt)Roda erbaut wurde. Sie war Bestandteil des Forschungsprojektes der EKM „Schimmelbefall an Orgeln in Mitteldeutschland“. 

  • Ort: Unterdorfstraße
  • Geöffnet: 15:00 – 17:00 Uhr, Gemeindemitglieder sind als Ansprechpartner vor Ort

Die einschiffige Kirche wurde 1701-1703 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Der Stifter der Kirche, Friedrich von Kospoth (1630-1701), Pächter des Kammergutes Burgau, starb bereits 1701 kurz nach Grundsteinlegung. Sein mumifizierter Leichnam wurde nach Fertigstellung der Kirche in der Krypta unter dem Altarraum beigesetzt. Die Kirche erfährt seit Anfang der 1990er Jahre umfangreiche Erhaltungsarbeiten, darunter grundhafte Stabilisierungsmaßnahmen für Turm und Kirchendachtragwerk. Auch wurde die bei der zeittypischen Ausmalung 1884 verloren gegangene barocke Innenraumgestaltung nach Ergebnissen der restauratorischen Farbbefundung rekonstruiert. 2018 wurde der Fußboden saniert und ergänzt. Nach mehrjährigen Vorarbeiten konnte 2026 auch die aufwendige Sanierung der Poppe-Orgel von 1796 beginnen. Der Raum um die ausgebaute Orgel wurde bereits saniert. 

Der Erhalt unserer Kulturdenkmale ist auf das ehrenamtliche Engagement vieler angewiesen. Eine in der Vermittlung von Wissen über und Leidenschaft für die Burgauer Denkmallandschaft besonders engagierte Persönlichkeit war Traugott Keßler. Er war auch für die Denkmalbehörden über viele Jahre ein liebevoller, zuverlässiger und ideenreicher Ansprechpartner. Leider ist er in diesem Jahr verstorben. Verstorben ist auch Ute Merbach, die u. a. als Gründungsstifterin der Jenaer Kirchenstiftung die Restaurierung der Dreifaltigkeitskirche maßgeblich finanziert hat. Am Denkmaltag, der zugleich Deutscher Orgeltag ist, wird es innerhalb des Burgauer Orgelfestes Ihr zu Ehren ein Gedenkkonzert in der Burgauer Kirche geben.

  • Ort: Geraer Straße 69
  • Geöffnet: 10:00 bis 17:00 Uhr
    • 16:00 Uhr: Benefizkonzert mit L. Förster (Kantor, Stadtkirche Jena)

    • 17:00 Uhr: „Wer pfeift denn da?!“ Orgel und Poesie mit A. Korn und D. Modersohn

    • 19:00 Uhr: Gedenkkonzert mit D. Modersohn (Kirchenmusiker und Orgelsachverständiger)

Der 1. Bauabschnitt (1981 bis 1986) der in 3 Abschnitten konzipierten Großwohnsiedlung Winzerla umfasste 2.600 Wohnungen, einen Kindergarten, eine Kaufhalle, die Wasserachse sowie 2 Schulen mit zugehöriger Turnhalle, Eine dieser beiden Schulen ist die ehemalige „Goethe-Schule“ in der Hugo-Schrade-Str. 1. Sie wurde als zweizügige Polytechnische Oberschule 1983-1985 gebaut. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten (u. a. Geländetopographie) und bereits gemachten Erfahrungen erfolgten einige Anpassungen bzw. Veränderungen gegenüber dem Typenprojekt Gera - Ratio 81. Dies betraf u.a. die Eingangsbereiche (Stufen, Geländer, Eingangsüberdachung), aber insbesondere auch den Fugenverschluss der Betonelemente und den Fußbodenaufbau. 

Die Planung lag in den Händen des VEB Wohnbaukombinats Gera BT 5 (Rudolstadt). Die spezielle Hausanschlussstation HA 2 mit Mikrorechnerbausteinen des VEB TGA Gera, BT Neustadt / Orla zur Temperaturreglung der Heizkreise und des Gebrauchswassers wurde im Januar 1987 nachgerüstet. Haustechnik und sanitäre Einrichtungen erfuhren im Zuge der Weiternutzung Teilsanierungen und Erneuerungen. Die Schule ist die letzte in Jena errichtete Plattenbauschule des Typs "Gera" und gleichzeitig die letzte Schule dieses Typs in Jena, die noch weitgehend im bauzeitlichen Zustand der späten 1980er Jahre erhalten ist. Sie wurde im Frühjahr 2024 aus geschichtlichen und städtebaulichen Gründen in die nachrichtliche Denkmalliste aufgenommen und sorgt seither für reichlich Gesprächsstoff. In Führungen und bei Gesprächen werden Denkmalwerte erläutert.

  • Ort: Hugo-Schrade-Straße 1
  • Geöffnet: 10:00 – 15:00 Uhr, Mitglieder der Bürgerinitiative und des Ortsteilrates stehe für Gespräche bei einem kleinen Brunch bereit
    • Führung mit I. Claus, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege

Die im 12. Jh. als Chorquadratkirche errichtete Kirche St. Nikolaus war eine Filiale von St. Laurentius zu Maua. Beide Kirchen gehörten zum Zisterzienserkloster Grünhain im Erzgebirge, deren Mönche den Weinbau mitgebracht hatten. Um 1250 wurde das rechteckige Altarhaus (Chor) als vierstöckiger rechteckiger Wehrturm aufgestockt. St. Nikolaus diente als Wehrkirche. Reste der Wehrmauer und eine Rundbastion haben sich erhalten und wurden 2015-2017 saniert. 2019-2021 erfolgte die Sanierung des Daches. 

Ein besonderes Kleinod ist die „Rosette von Leutra“, ein Elfpassfenster an der Ostseite, das in seiner Symbolik auf die elf Jünger Jesu am Ostermorgen verweist. An der Südseite des kurzen Langhauses liegt der Eingang - eine romanische Rundbogentür mit Türblatt und gotischem Zierbeschlag, im Türgewände sind Symbole der Wehrhaftigkeit eingemeißelt: Armbrust, Schwert und Kugel. Über der Tür, kurz unter der Traufe befindet sich ein Kopf mit Wasserstein, dessen Deutungen sehr vielfältig sind und von Dämon bis St. Nikolaus reichen.

Im Inneren befindet sich ein evtl. aus dem 12. Jh. stammender Taufstein. 2022 wurden zwei historische Grabplatten von der südlichen Außenwand in den Innenraum umgesetzt.

  • Ort: Leutra 16
  • Geöffnet: 11:00 und 13:00 Uhr Führungen mit K. Junghans

Die Obermühle Leutra wurde wohl Mitte des 18. Jh. am Ortsrand von Leutra in einem Knie der Leutra angelegt. Vorgängerbauten sind wahrscheinlich. Im 19. Jh. wurde die Wassermühle um Wohn- und Nebengebäude erweitert. 1900 ließ Mühlenbesitzer Hugo Grimm die Mühlentechnik erneuern. Der Mühlenbetrieb wurde bereits 1960 eingestellt. Danach wurde die Anlage vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Der Zustand der eigentlichen Mühlenanlage verschlechterte sich nach der Teilung des Grundstückes zusehends. Nachdem es aufgrund unterlassener Unterhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen zu massiven Feuchtigkeitseinträgen kam, waren Kipppunkte erreicht, die zu massiven Substanzverlusten führten. 

Mehrfach wurde die Aufhebung des Denkmalstatus diskutiert. Seit 2019 erfolgen nun Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, um die Anlage der Wohnnutzung zuzuführen. Erste Wohnungen sind bereits belegt. Leider waren während der Baumaßnahme weitere massive Substanzverluste hinzunehmen. Die jetzt sichtbaren Gebäudeteile sind daher in den ehemaligen Fachwerkgeschossen sowie in den Ziegelmauerwerk-Obergeschossen in großen Teilen Rekonstruktionen, wobei der Nachbau auf Basis verformungsgerechter Aufmaße und entzerrter Messbilder erfolgte. Dennoch wird klar, dass man sich hier in einer Grenzzone der Denkmalpflege befindet.

  • Ort: Leutra 2
  • Geöffnet: 15:00 Uhr: Führung mit Herrn N. Spehr, SPEHR.Ingenieure-Planungsbüro (max. 30 Personen - Voranmeldung erforderlich!)
  • Treffpunkt: am Ende der Straße vor dem Westgiebel des Haupthauses (nicht im Hof)

Anmeldungen am 08.09. und 10.09. jeweils von 08:30 bis 11:30 und 13:00 bis 15:30 Uhr unter der Telefonnummer 0049 3641 495141 oder per E-Mail unter denkmalamt@jena.de.de bis 11.09.2026

Die im 12. Jh. erbaute Saalkirche war seit dem 13. Jh. Teil einer Komturei des Deutschen Ritterordens. Ergänzungen im 15. Jh. und bauliche Veränderungen im 16. und 17. Jh. schufen die heutige Gestalt. Die Spuren der einzelnen Bauphasen sind heute noch sehr gut an Befunden wie Putzen, Fugenbild, Fenstergestalt, Ornamente oder auch Inschriften ablesbar. Im Inneren beherbergt die Kirche u.a. eine Einbaumtruhe aus dem Jahre 1275, einen Flügelaltar von 1517 sowie die Patronatsloge mit zwei Wappen ehemaliger Komture des Deutschen Ordens. Im Kirchenschiff sind Grabplatten von anderen Komturen und im Bereich der ersten Empore Epitaphien zu sehen. Die Neufassung des Innenraumes in den Jahren 1991-1993 erfolgte auf der Grundlage restauratorischer Befunde. An der Marienkirche befindet sich mit einer Datierung auf 1223 eine der ältesten Dorfkirchentüren Mitteldeutschlands.

  • Ort: Pfarrgasse
  • Geöffnet: 10:00 – 17:00 Uhr
    • Führungen zur Baugeschichte und Sanierung nach Bedarf mit Herrn F. Bürglen, ehem. Kirchmeister und Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz; 

    • Ausstellung zum Deutschen Orden und zur Geschichte Zwätzens als Sitz des Landkomturs von Thüringen.

    • Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen

Das 1367 erstmals urkundlich erwähnte Dorf Laasan hat weitgehend seinen eigenständigen dörflichen Charakter erhalten. Im Zentrum liegt das kleine und doch so imposante Rat- und Brauhaus. Das Rathaus wurde zwischen 1615 und 1617 als achteckiger Turm gebaut. 1740 erfolgte der Anbau des Brauhauses, 1802 wurde die Ratsstube eingeweiht. Das Gemeindebraurecht bestand zwischen 1742 und 1946. Das Rathaus wurde um 1617 als achteckiger Turm gebaut. 1742 erfolgte der Anbau des Brauhauses, 1802 wurde die Ratsstube eingeweiht. Das Gemeindebraurecht bestand zwischen 1742 und 1946. Das Rat- und Brauhaus wurde 1998 denkmalgerecht saniert. 2004 wurde der Ortsverein mit dem Thüringer Denkmalschutzpreis für die Sanierung des Rat- und Brauhauses gewürdigt. 2019 erfolgte eine umfassende Fassadensanierung einschließlich einer statischen Ertüchtigung. 

  • Ort: Laasan 25
  • Geöffnet: 10:00 – 16:00 Uhr
    • Führungen nach Bedarf mit Mitgliedern des Vereins Ortsverein Laasan e. V., 

    • Stärkungen stehen in den Räumen des Rats- und Brauhauses bereit

    • Laasan 3/“Regina-Stiftung“ (direkt gegenüber) geöffnet: 10:00 – 14:00 Uhr „offenes Atelier“ der Bildhauerin 

Die zur Bauzeit 1937 bis 1941 mit 794 m längste Brücke des deutschen Autobahnprogramms in Thüringen wurde aus Stampfbeton, Stahlbeton, Klinker sowie Naturstein errichtet. Die Formen sind denen römischer Aquädukte entlehnt. Monumentalität kennzeichnet die Formensprachen im Detail und das Bauwerk in Gänze. 

Als Schöpfung der neuen Epoche sollten die Straßen […] und ihre Bauwerke über alle Zeiten und Grenzen als Zeugen des politischen und künstlerischen Willens ihrer Schöpfer hinausragen und auch dann noch als Erinnerungsmale dieser Epoche, als Monumente einer vergangenen großen Zeit bestehen, wenn ihre praktische Bedeutung längst überholt wäre“,

beschreibt der Architekt Friedrich Tamms 1941 die nicht nur infrastrukturelle, sondern auch politische / ideologische Aufgabe. 

Das Autobahnprogramm wurde auch landschaftsplanerisch sehr intensiv begleitet. Schon 1933 holte sich Fritz Todt Alwin Seifert in seinen Stab, den er 1934 zum Berater für Fragen der landschaftlichen Eingliederung beim Autobahnbau berief. Seifert, der sich zu einer „metaphysisch“ begründeten Rassenlehre, die den Nationalsozialismus um eine naturreligiöse Dimension erweitern sollte, bekannte, versammelte Landschaftsarchitekten, Pflanzensoziologen und Heimatschützer um sich. Sie begleiteten als Freiberufler den Autobahnbau. Die Pläne haben sich häufig erhalten, allerdings wurde die gestaltete Landschaft – nicht nur in Jena - inzwischen erneut massiv überformt. 

  • Ort: Zwischen Maua und Göschwitz 
  • Geöffnet: 10:00 - 14:00 Uhr
    • Stündliche Führungen zur Geschichte der Brücke und zum Autobahnbau rund um Jena bis in die heutige Zeit, letzter Vortrag um ca. 13:00 Uhr

Zufahrt von der B 88 von Maua in Richtung Jena, von BAB A4 kommend: AS Jena - Göschwitz - B 88 Richtung Jena, direkt hinter der Saaletalbrücke rechts (PKW-Parkplätze stehen nur begrenzt zur Verfügung)